Als Hylios brannte

Als Hylios brannte Zitat

In seiner Hand Anthologie Cover

Ich hatte es ja bereits ausgeplaudert: Meine erste Kurzgeschichte gibt es nun gedruckt. „Als Hylios brannte“ heißt sie und erschien in der Anthologie „In seiner Hand“ beim Incubus Verlag.

Als der Sieg zum Greifen nahe ist, wird ein junger Soldat von seinen Zweifeln übermannt und flieht durch die Ruinen einer verlassenen Stadt. Von Furcht und Feind gehetzt, stellt er sich einem letzten Kampf, der nicht durchs bloße Überleben gewonnen werden kann.

Der Kampf mit dem Kampf

Und ja, es ist Erotik. Ich habe mich zum ersten Mal an nackte Haut gewagt, ein wenig über den Geschmack von Schweiß sinniert und konnte doch nicht recht von Kämpfen lassen. Irgendwie ist es zum Verzweifeln: Egal welches Thema ich mir vornehme, am Ende tobt irgendwo ein Krieg und mein Protagonist ist plötzlich mitten in einem Kampf. Ob Zivilist oder Soldat: Würde ich über die Apfelernte im Herbst schreiben wollen, kämen am Ende von einer Hungernot geplagte Orks vorbei. Oder Außerirdische. Na gut, vielleicht auch einfach nur der Nachbar, der es nicht länger aushält, wie weit der Ast über den Zaun ragt (dafür hätte ich sogar ein reales Vorbild … nun gut, wer hätte das nicht?).

Und – soll ich euch mal ein Geheimnis verraten? – dabei mag ich es nicht mal, Kampfszenen zu schreiben. Okay, das stimmt nur halb: Ich finde sie unglaublich anstrengend. Stillleben machen Spaß, denn da bleibt die Ruhe, sich in den Wolkenzwirbeln eines Kieshimmels zu verlieren, während kühl der Herbst über die Wange wischt. Der Moment schweigt, bis ihn die rechten Worte an die Hand nehmen.

Kämpfe dagegen sind hektisch. Ein Herzschlag trägt unendlich viele Handlungen, doch will ich sie alle erfassen, verabschiedet sich die Dynamik schon einmal in die Winterferien. Stillleben, aber auch Monologe, warten auf mich, Gefechten muss ich ständig hinterherrennen und den Überblick bewahren, wo meine Protagonisten ihn verlieren. So schnell sich eine Kampfszene auch liest, ein Satz mit drei Wörtern kann auch mal eine Viertelstunde brauchen, bis er als Sieger stehen bleiben darf. Davor muss er nämlich selbst mit verschiedenen Sätzen in den Wettstreit treten, sorgfältig die richtigen Wörter als Verbündete wählen und Allianzen mit dem Vor- und Nachsatz schmieden. Auch muss klug entschieden werden, ob er sich einen Nebensatz als Vasall erobert, oder stark genug ist, allein für sich selbst zu sprechen.

Der Mühen Lohn: Ein Absatz, der schnell gelesen den Leser wie ein wilder Strom mit in die Handlung reißt. Es sind gerade diese kämpferischen, hektischen, mich in den Wahnsinn treibenden Szenen, die von Testlesern positiv angemerkt werden. Und es sind diese rauen, pragmatischen Figuren, deren verzweifelte Plots mir einfach keine Ruhe lassen können.

Achtung: Verletzungsgefahr!

Und wieso schwadroniere ich jetzt über Kampfszenen, obwohl es sich um eine Erotikgeschichte handelt? Zum einen, weil ich einfach nie beim Thema bleiben kann. Aber auch, weil ich für mich festgestellt habe, wie ähnlich sich doch beides schreibt. Meine erste Sexszene schrieb ich mit 15 (und sie liest sich überraschend gut), die zweite mit 30. Ja, ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie sich Erotik schreibt, also griff ich auf das zurück, was ich beherrsche: Auf sie mit Gebrüll!

Na gut, nicht ganz. Doch ist die Dynamik ähnlich, Leidenschaft und Furcht nicht so weit voneinander entfernt. Beides verengt den Fokus, zoomt von der Totalen auf den Kontrahenten. Der Puls rauscht, Adrenalin ringt den Schmerz nieder, der den Moment zerstören könnte. Die Welt herum rast und erstarrt doch im selben Moment, als … ob jetzt geküsst oder gefochten wird, ist doch nun sekundär.

Natürlich sind die Begriffe unterschiedlich, die Bilder zeigen andere Motive. Aber bei beidem gilt: Ein falsches Wort und der Lesefluss stolpert, die nächsten Sätze müssen mit wundem Knie humpeln. Natürlich ist ein Ausrutscher kein Beinbruch, aber bei zu vielen Fallgruben wird sich ein Leser wohl eher zurückziehen, als noch ernsthafte Verletzungen seines Kopfkinos zu riskieren.

Selbstverständlich ist ein falsches Wort immer ärgerlich, nicht nur bei zwischenmenschlicher Freizeitgestaltung. Aber gerade diese schnellen, dynamischen Szenen werfen den Film an.

Kurzum, dank der vielen Kampfszenen, die mich Dynamik üben ließen (und mich manchmal wohl mehr gequält haben als meinen Protagonisten), konnte ich auch mein Gefecht mit der Erotik überstehen. Was als anstrengendes Tauziehen zwischen Fremden begann, wandelte sich doch schnell zu einem Duell zwischen alten Bekannten und am Ende waren beide siegreich. Das ist wohl der größte Unterschied zwischen Kampf- und Sexszenen.

Nachtrag (31.10.2015): Jana Walther hat ein schönes Interview mit allen Autoren auf ihrem Blog veröffentlicht. In Teil 2 komme auch ich zu Wort.

Nachtrag 2 (3.08.2017): Gute Neuigkeiten! Nach der Verlagsauflösung von Incubus war die Anthologie ja aus dem Handel verschwunden, nun ist „In seiner Hand“ wieder zurück, wenn auch nur als ebook.

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