Handwerkskunst

Schreiben ist ja bekanntlich ein Handwerk, und wie in allen Handwerksbereichen macht die Übung den Meister. Mein erstes Gedicht schrieb ich in der Grundschule, 4. Klasse. Es ging um Frieden, war gereimt und wahrscheinlich fürchterlich schlecht. Trotzdem fand es meine Deutschlehrerin so beeindruckend, dass ich mich überhaupt hingesetzt und ein Gedicht geschrieben hatte, dass sie die gesamte Klasse zwang es abzuschreiben und ein Bild dazuzumalen. Ja, es war auch so peinlich, wie es sich gerade anhört.

Nach diesem Schock kamen die nächsten Schreibversuche dann erst in der 7. Klasse und waren durch Final Fantasy VII inspiriert. In meinem Kopf sah mein Held wie Cloud und die Prinzessin wie Aeris aus (mit Tifa konnte ich einfach nichts anfangen), nur nicht ganz so pixelhaft. Allerdings sollte es keine Fan Fiction werden, ich hatte nicht das Bedürfnis die tragische Geschichte von Cloud und Aeris neuzuerzählen – ich wollte etwas Eigenes erschaffen. Es entstand eine ganz neue Welt mit eigenem Pantheon, komplexem Magiesystem und vielen verschiedenen Rassen – natürlich samt Vampiren (hey, ich war 14!). Aber natürlich war ich nicht mit dieser einen Geschichte zufrieden und tat mich auch schon immer schwer, zwischen Fantasy und Sci-Fi zu entscheiden. Deshalb hatte meine eigene Welt auch eine komplette Historie die über 5000 Jahre reichte, mit der Erschaffung der Welt durch zwei Drachen begann und mit ihrem Untergang in einer gewaltigen Raumschlacht endete. Und das alles mit 14! Kein Wunder, dass ich mich nur ein Jahr später sehr bereitwillig aufs Rollenspiel einließ, all die Charaktere in meinem Kopf wollten endlich Abenteuer erleben.

Aber auch wenn ich damals eine riesige Welt erschaffen konnte, fehlte mir doch das handwerkliche Geschick, ihr Leben zu verleihen. Auch die größten Maler haben irgendwann mit Strichmännchen begonnen (ein Stadium, indem ich mich noch immer befinde) und meine alten Texte sind auch kein wirkliches Lesevergnügen heutzutage. Dennoch waren einige der alten Ideen gut und verdienen ihre Chance, weshalb ich mir vorgenommen habe, alte Texte noch einmal zu überarbeiten.

Den Anfang macht „Die Nacht der Helden“, eine neuere Geschichte von 2006. Damals war ich schon längst keine 14 mehr (zum Glück!) und handwerklich auch weitaus gereifter als noch zu Schulzeiten, aber leider hatten sich auch in dieser Kurzgeschichte einige Mängel eingeschlichen, die ich nun hoffentlich alle beseitigt habe. Und noch dazu zwei Rechtschreibfehler – was aber wohl eher meiner Betriebsblindheit zu schulden ist (und wahrscheinlich habe ich auch gleich drei neue eingebaut …). An der Geschichte selbst hat sich nichts geändert – sie ist nur besser geworden. Ich habe der Idee einfach die äußere Form geschenkt, die sie verdiente.

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